Stress in der Pflegearbeit: anregend oder aufregend „Wo Gesundheit fehlt, kann Weisheit nicht offenbar werden, Kunst kann keinen Ausdruck finden, Stärke kann nicht kämpfen, Reichtum wird wertlos und Klugheit kann nicht angewandt werden.“ (Herophilos, 335 bis 280 vor Christus) Die Studie Workplace stress in nursing (2003) befasst sich mit Arbeitsbelastungen in der Pflege und fasst 21 empirische Untersuchungen zusammen. Daraus wurden die sechs wichtigsten Ursachen für den arbeitsbedingten Stress der Pflegepersonen - ohne Reihung nach Wertigkeit - extrahiert:
Arbeitsbezogener Stress Damit werden emotionale, kognitive, verhaltensbezogene und physiologische Reaktionen auf unangenehme und gesundheitsschädigende Aspekte der Arbeit, des Arbeitsumfeldes und der Arbeits- organisation bezeichnet. Stress ist ein Zustand, der durch ein hohes Aktivierungs- und Belastungsniveau gekennzeichnet ist und oft mit dem Gefühl, man könne die Situation nicht bewältigen, verbunden ist. Dieselben Belastungen wirken jedoch nicht bei allen Menschen gleich. Auswirkungen von Stress Stress ist eine individuell unangenehm empfundene Spannungssituation. Hält der Spannungszustand längere Zeit, sind die Stressfaktoren zu hoch und die Ressourcen zu gering liegt chronischer Stress vor. Chronischer Stress ist eine permanente Anspannungssituation. Dieser Energieaufwand ist auf die Dauer für jeden Menschen schädlich. Stress beeinflusst die Gedanken und Gefühle, hat Auswirkungen auf den Körper. Stress wirkt sich auf das Verhalten aus und Stress bremst die Leistungsfähigkeit und Produktivität. Die Stressforschung belegt aber auch, dass der Mensch einer ganzen Reihe von Stressoren keineswegs hilflos ausgeliefert ist, sondern aktiv gegensteuern kann. Umgang mit der eigenen Gesundheit Gesundheit ist das Ergebnis eines dynamischen Wechselverhältnisses von Schutz-faktoren und Risiko- faktoren. Die anspruchsvolle Tätigkeit alte und kranke Menschen professionell zu pflegen, stellt vielfältige Anforderungen an die Pflegenden, die zu-nächst persönlich verarbeitet und bewältigt werden muss. Individuelle Verhaltensprävention bedeutet, sich selbst zu pflegen - durch z.B. Methoden des Entspann- ungstrainings, fixe Rituale im Alltag einhalten, sich in Gelassenheit üben, fachliche Kompetenzen erweitern oder soziale Beziehungen und das Selbstbewusstsein stärken. Der Umgang mit Stress in der Pflege ist aber auch eine Führungs- und Organisationsaufgabe. Strukturelle Rahmenbedingungen werden von Menschen geschaffen und sind auch durch diese veränder- bar. Es gilt längerfristig und dauerhaft gesundheitsförder-liche Arbeitsbedingungen in der Pflege zu schaffen, wie z. B. Einführung von Primary Nursing oder anderer Formen individueller Pflege. Und zu guter Letzt sollte einer Gesellschaft im demographischen Wandel bewusst sein, dass sie einen hohen Bedarf an pflegerischen Dienstleistungen hat. Es werden zukünftig nicht nur mehr Pflegekräfte gebraucht werden, auch die Belegschaften werden altern und die Lebensarbeitszeiten werden sich verlängern. Die Gesundheit der Pflegekräfte ist ein hohes Gut – für jede und jeden Einzelnen und die Gesellschaft. Wo Gesundheit fehlt,....kann nicht gepflegt werden!“ Manuela Steinmetz, DGKS Dieser Artikel erschien erstmalig im Juni 2009 in Geronto-News, der Fachzeitschrift für Menschen in der Altenpflege |