Gesundheitsfürsorge in der Altenpflege

„Pflege – ein Beruf mit Sinn und Zukunft“ So lautet der Werbeslogan einer Gesundheits- und Krankenpflegeschule mit dem Jugendliche zu einer Pflegeausbildung animiert werden sollen.

Keine Frage, dass Pflegepersonen gebraucht werden - vor allem in der professionellen Betreuung alter Menschen, denn die demographische Entwicklung bewirkt durch die Zunahme des Anteils alter Menschen an der Gesamtbevölkerung eine Ausweitung des Hilfs- und Pflegebedarfs. Veränderungen im Krankheits- spektrum sind zu erwarten, chronische Erkrankungen sowie Mehrfacherkrankungen treten vor allem im hohen Alter verstärkt auf. Dies zeigt, dass vor allem der geriatrische Pflegebereich Zukunft hat und damit eine gewisse Arbeitsplatzsicherheit - vielleicht sogar bis zur Pensionierung - garantiert sein könnte. Aber ist das auch ein Beruf, in dem man ein ganzes Erwerbsleben verbringen kann oder will?

Statistiken über ältere MitarbeiterInnen in der Pflege bzw. über den Austritt von Pflegenden aus dem Pflegeberuf am Beispiel des Wiener Krankenanstaltenverbundes zeigen, dass durchschnittlich nur 8% der MitarbeiterInnen in den Krankenanstalten und 9% der MitarbeiterInnen in den Pflegeheimen und Geriatrie- zentren des Wiener Krankenanstaltenverbundes über 46 Jahre alt sind. Diese Altersverteilung weist somit eine Tradition des frühzeitigen Ausstiegs aus dem Pflegeberuf auf und zeigt auch einen deutlichen Wider- spruch zur demographischen Entwicklung der übrigen erwerbstätigen Bevölkerung, in der bereits mehr über 45 jährige als unter 30jährige im Arbeitsprozess stehen.

Belastungssituationen in der geriatrischen Pflege

Insgesamt gesehen sind die Anforderungen an Pflegende in den letzten 20 bis 30 Jahren bei gleich- zeitiger Reduktion von materiellen Ressourcen durch Kosteneinsparungen gestiegen. Der Anspruch eine qualitativ hochwertige und ethisch vertretbare Arbeit zu leisten, steht im Widerspruch zu einem ständigen und zunehmenden Zeitdruck, der es verlangt Abstriche zu machen.

Lange Dienstzeiten, Nacht- und Wochenenddienste für Frauen mit Kindern und für ältere Pflegende sind oft negativ besetzt, da die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben erschwert ist wenn nicht gar unmöglich ist.  Pflegende in der Geriatrie sind wegen der hohen PatientInnenzahl, die einer Pflegenden zugeteilt ist, zusätzlichen Belastungen ausgesetzt: Wenige Erfolgserlebnisse, der Umgang mit Tod, Leid und chron- ischen Krankheiten bewirken neben der physischen Belastung einen hohen emotionalen Druck.

Recherchen in internationaler Literatur über Gesundheitsgefährdungen von Pflegepersonen in den verschiedensten Bereichen ihrer Tätigkeit haben ergeben, dass die Arbeitsbelastungen, denen sie ausgesetzt sind zahlreich und schwerwiegend sind:

  • Schäden am Muskel- und Skelettsystem entstehen durch physische Belastung, vorwiegend beim Heben und Tragen von PatientInnen.
  • Anhaltender Stress und Überlastung können zu Mobbing, Burnout, Depressionen und Suizid führen.
  • Auch ein überdurchschnittlich hohes schädigendes Gesundheitsverhalten wie Rauchen, aber auch die Einnahme von Drogen unter professionell Pflegenden wurde nachgewiesen.
  • Eine weitere nicht zu unterschätzende Gefahr vor allem für unzureichend ausgebildete Pflege- personen stellt Gewalt durch PatientInnen am Arbeitsplatz dar.

Alles Belastungsfaktoren, die nicht verringert oder beseitigt werden, führen neben fehlender Anerkennung zur Berufsunzufriedenheit, die wiederum zum Ausscheiden aus dem Pflegeberuf führen kann.

Die infolge berufsbedingter Schäden entstehenden Ausfälle durch Krankenstände und/ oder Frühpension- ierungen verursachen nicht nur den betroffenen Personen Leid, sondern bringen auch für die Wirtschaft eine beträchtliche Belastung mit sich.

Die Altersentwicklung der österreichischen Bevölkerung und die finanzielle Situation der Altenpflege- organisationen machen es notwendig, dass auch ältere MitarbeiterInnen länger im Beruf bleiben werden.

Wir werden es uns in Zukunft weder leisten können auf ältere und erfahrene Pflege-personen zu verzichten, noch mit ihnen so zu verfahren, als hätten wir noch ein paar Leute auf der Ersatzbank sitzen.

Um aber den gesunden Verbleib von Pflegepersonen im Berufsleben sichern zu können, braucht es so- wohl persönliche Perspektiven, betriebliche Maßnahmen und eine auf die spezifischen Bedürfnisse von pflegenden Frauen ausgerichtete Selbstfürsorge.

DGKS Manuela Steinmetz

Dieser Artikel erschien erstmalig im April 2009 in Geronto-News, der Fachzeitschrift für Menschen in der Altenpflege